wüstung MittelhaUG

Eine verschwundene Siedlung - Zollhütte im Hüttengraben und der Ort Mittelhaug


Das heute noch sichtbare Grabenviereck des Hüttengrabens (in Karten auch der "Galgenbuckel") könnte als frühmittelalterliche Motte, einer frühen Form der Burganlage, angelegt worden sein. Funde aus dem Zeitraum 2000 vor Christus bis 700 n. Christus (Stein-, Bronze-, Eisen- und Römerzeit) deuten auf eine frühe Wohnbesiedelung an der Straße Basel-Speyer-Worms- Mainz hin, die dann im Mittelalter durch eine Zollhütte an Bedeutung gewann.

 

Grabungen 1911 brachten den Chorabschluss einer spätgotischen Kirche mit sechs Strebepfeilern zum Vorschein, die evtl. durch Brand zerstört worden war. Die lichte weite des Chorabschlusses in Inneren wurde mit 6,20 auf 5m gemessen, die Dicke der Fundamentmauern 90, cm und 75 cm. Mehrere Jahre blieb die Grabung zu Besichtigung offen. Funde aus der spätkarolingischen und spätmittelalterlichen Zeit wurden geborgen und bei der Bewirtschaftung der Fläche immer wieder Skelette gefunden.

Grabungsfoto Chorabschluss Kapelle Mittelhaug
Grabungsfoto Chorabschluss Kapelle Mittelhaug

Weitere Grabungen wurden 1937/1938 und zuletzt 1964/1965 noch vor dem vierspurigen Ausbau der B 9 vorgenommen. In Urkunden aus dem 13. bis 14. Jahrhundert sind die Siedlung und ein Schultheiß von „Mittelhaug“ genannt.

 

Mitte des 15. Jahrhunderts ist von einer Kirche als „neue Kapelle“ mit Hofstatt, dem Zollhaus und weiteren Gebäuden die Rede. 1472 wurden dann die Zollstätte von der Hütte und der Straßenverlauf nach Oggersheim verlegt, die Siedlung verfiel wohl danach und geriet nach 150 Jahren ganz in Vergessenheit. Heute weißen der Weg "Am Hüttengraben", die Flurnamen "Am Hüttengraben" und "Auf der Hütte" auf die einstige Siedlung hin. (fs)


Rekonstruktion eines gotischen Chorabschlusses nach dem Vorbild der Burgkapelle in Iben, Lkr. Bad Kreuznach (jedoch Frühgotik!) ein Vergleich

Quellen:

1) Der Hüttengraben bei Oggersheim ein historisches Befestigungswerk, Friedrich Barth Versuche einer kritischen Betrachtung der Hüttengrabentheorien anhand der Jugend-forscht-Arbeit: Michaela Janisch und Jürgen Render. Heimatkundlicher Arbeitskreis Lu Oggersheim, Mannheim 1986)

2) Aus der Chronik von Oggersheim von Karl Kreuter, hrsg. von Siegfried Fauck, Grünstadt 1983

3) Fesser, Jörg: Frühmittelalterliche Siedlungen der nördlichen Vorderpfalz, Dissertation, Mannheim 2005


Ausschnitt Top. Karten Frankenthal und Mannheim 1880 und 1910
Ausschnitt Top. Karten Frankenthal und Mannheim 1880 und 1910

gotischer Choranschluss nach dem Vorbild Iben, Lkr. Bad Kreuznach
gotischer Choranschluss nach dem Vorbild Iben, Lkr. Bad Kreuznach