Wahlen, Streiks, Wohnungsbau

Ende der Monarchie - Ende des Krieges

 

Bildung eines „Arbeiter-, Bürger,- und Bauernrates"

1918: Die Revolution  führt in Oggersheim zur Bildung eines „Arbeiterrates“, der durch die Hinzunahme von drei Landwirten und vier Bürgertumvertretern zu einem „Arbeiter-, Bürger,- und Bauernrat" erweitert wird und eng mit der bisherigen Kommunalverwaltung kooperiert. Bürgermeister bleibt zunächst der 1917 vom Stadtrat gewählte Nationalliberale , der Chemiker Dr. Wilhelm Hagenburger.

 

Verschärfung der im Krieg begonnenen Wirtschaftskrise

1919: Am 20. Juni treten die „Beamten“ (Büroangestellten und Meister) der Paul Schütze AG wegen nicht erfüllter Lohnforderungen in den Ausstand.Die Schütze AG beschließt daraufhin die vorrübergehende Schließung des Betriebes, die Entlassung der Arbeiter, da die „Beamten“ ihre Arbeit am 21. Juni nicht wieder aufgenommen hatten.

 

Erste allgemeine und freie Wahlen

1920: Der Stadtrat und der erste Bürgermeister wird zum ersten Mal von allen volljährigen männlichen und weiblichen Oggersheimer Bürgern gewählt: Heinrich Treiber, SPD, wird Bürgermeister.

 

Bei der Firma König & Herf werden Ende des Jahres  durch protestierende Erwerbslose  2.220 Kilogramm Kartoffeln und 60 Kilogramm Wurst geplündert, Lastwagen und Büroinventar zerstört.

Stadterweiterung Bauen nach der Gartenstadtidee

Der bereits 1906 befasst Beschluss, die Stadt im Südwesten durch Wohnungsbau in der Anlage und dem Baustil nach der Gartenstadtidee zu erweitern. Zunächst 1912 lediglich mit dem Bau eines Hauses umgesetzt wurde 1920 wurde das Projekt wiederaufgenommen und bis zur IV.Bauphase 1929 umgesetzt. Damit leistete Stadt in dieser schwierigen Phase Erhebliches.

Streiks

1922: Die Stadt Oggersheim kommt für streikende Metallarbeiter mit 55.208 Mark für Koks, Kartoffeln und Brot und 13.027 Mark für Milch auf. Der Stadtrat beschloss, die Ausgabe von Milch an Kinder der streikenden Arbeiter auf Kosten der Stadt zu begleichen. Die Kosten für Kartoffeln, Brot und Koks müssten jedoch von den Streikenden zurück erhoben werden.

Kurze Machtübernahme durch die Separatisten

1923: Ende des Jahres erzwingen Erwerbslosen-proteste eine bessere Unterstützung. Der Stadtrat lehnt es mit einer Mehrheit gegen vier Stimmen ab, sich der von Separatisten ausgerufenen "Freien Republik Pfalz" anzuschließen. Anhänger der Separatisten entwaffnen aber am 23. Novemver zunächst die Polizei und besetzen anschließend das gesamte Rathaus. Die Gemeindebeamten werden aus dem Dienst entlassen und die grün-weiß-rote Separatisten-Fahne gehisst.

Die Separatisten bilden einen "Vollzugsrat", der die Geschäfte der "Autonomen Pfalzregierung" führen soll. Leiter wird Emil Löcher. Der Stadtrat verspricht daraufhin, ausreichende Unterstützungszahlungen an die Erwerbslosen zumachen, und die Ausgabe von Lebensmitteln und Gutscheinen. Die Oggersheimer Geschäftsleute weigern sich jedoch die Gutscheine anzuerkennen. Durch Waffengewalt erzwingen die Separatisten die Kooperation der Ladeninhaber  und nehmen Enteignungen vor.

 

Einrichtung eines Erwerblosenamtes

Die Loyalitätserklärung für die Separatisten, die Bürgermeister Treiber wohl unter Druck unterschrieben hatte, widerruft der Stadtrat bereits am 23. Dezember 1923. Der durch die Enteignungen entstandene Schaden in Oggersheim wird nach dem Ende der Separatistenherrschaft durch die Bezirksregierung der Pfalz auf 1.280 Reichsmark geschätzt. Nach dem Ende der kurzen Separatistenmacht richtet die Stadt Oggersheim ein Erwerbslosenamt ein.

 

1924: Im März 1924 sieht sich die Stadt Oggersheim den Folgen der schweren Arbeitskämpfe in der BASF ausgesetzt. Der Stadtrat beschließt in einer geheimen Sitzung vom 27. März einstimmig aus Anlass der Aussperrung der Anilinarbeiter eine Entschließung an die Direktion der Anilinfabrik zu senden.

 

1926: Erwerblose protestierten erneut gegen die Arbeitslosigkeit und ihre soziale Lage.

Quellen:

1) StALU Og. 1323.
2) StALU Og. 72/2 und 951/2.
3) Christiane Panz-Sponagel,Eingemeindung als Schicksal, Die Randgemeinden Ludwigshafens1900-1938/74, in: Geschichte der Stadt Ludwigshafen, Band II,Ludwigshafen 2003, S.283f, Quelle dort: StALU Og. 72/3.

4) Ausstelung des HAKO zur Gartenstadtkolonie Oggersheim